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Nervenultraschall sehen, was genau „mit dem Nerv los ist“.

Mit Hilfe moderner Ultraschallgeräte sind mittlerweile selbst kleine Nerven an Händen und Füßen gut darstellbar. Nervenultraschall hilft, Diagnosen präziser zu stellen und Therapien gezielter zu planen.

Bis vor wenigen Jahren lautete das Ergebnis neurologischer Untersuchung der peripheren Nerven immer wieder: abwarten. Wenn es sich in den nächsten Monaten nicht bessert, dann operativ nachschauen, was dahinter steckt. Der technische Fortschritt der letzten Jahre auf dem Gebiet der Ultraschalltechnik hat in der neurologischen Diagnostik faszinierende neue Möglichkeiten eröffnet. Erstmals können periphere Nerven an Armen und Beinen nicht-invasiv sichtbar gemacht werden. Moderne Ultraschallgeräte erlauben eine Darstellung selbst kleinster Nervenbahnen. In vielen Situationen können damit Nervenveränderungen viel früher erfasst und wichtige Therapieentscheidungen schneller getroffen werden.

Ein persönliches Fazit: Ich halte den Nervenultraschall für den wichtigsten Fortschritt der Neurologie der letzten Jahre. Auch wenn die Methode erst wenige Jahre alt, noch wenig bekannt und noch wenig verbreitet ist und das Erlernen recht langwierig war – ich weiß eigentlich nicht mehr, wie ich es ohne gemacht hätte. Überlegen, ob ein Nerv eingeengt ist, spekulieren wodurch, abwägen, ob ich eine Operation empfehlen soll – und das alles, ohne den Nerv gesehen zu haben? Mit einer Methode, die relativ schnell und für den Patienten auch noch einfach und schmerzlos ist? Ich möchte in meinem Beruf auf den Nervenultraschall nicht mehr verzichten.

Eine der wichtigsten Fragestellungen an den Nervenultraschall: Liegt eine operable oder eine nicht-operable Läsion vor? Therapien können mit diesen Informationen schneller und exakter geplant werden.

Die Nerven im Ultraschallbild zu sehen, hilft, die Ursache einer Nervenschädigung zu diagnostizieren. Ganz einfach gesagt, man „sieht was mit dem Nerven los ist“. Sollte eine Operation geplant sein, können die genannten Informationen, wie auch die Beschreibung eventueller anatomischer Varianten wichtige Informationen an den Operateur liefern. So lässt sich das operative Vorgehen gezielt planen – Operationsrisiken werden minimiert.

Die Zukunft der Nervendiagnostik liegt meines Erachtens in der Integration von NLG, EMG und Nervenultraschall. Die Aussagekraft dieser Methoden ergänzt sich. Neben den in der Nervensonographie sichtbaren Informationen zur Struktur, liefert die NLG-Untersuchung wichtige Zusatzinformationen über die messbare Funktion der Nerven.

Folgende Fragestellungen können durch Nervenultraschall präziser beantwortet werden: Liegt (z.B. bei Schmerzen) überhaupt ein Nervenproblem vor? Liegt eine Nerveneinengung (medizinisch: Nervenengpasssyndrom) vor? Was drückt auf den Nerv? Oder liegt etwas anderes, z.B. eine Entzündung der Nerven vor? Wo genau im gesamten Verlauf ist der Nervenschaden oder die Nervenreizung lokalisiert?

Ein wichtiger Zusatznutzen des Nervenultraschalls ist auch die Möglichkeit der „dynamischen Untersuchung“. Eine Nerveneinengung z.B. nur bei bestimmten Gelenkstellungen kann damit gesehen werden.

Ein Beispiel: hier wird bei bestimmten Bewegungen der Ulnarisnerv am Ellenbogen durch den Tricepsmuskel aus seiner normalen Position (linkes Bild) verschoben – und zwar direkt auf eine relativ spitze Knochenkante (rechtes Bild). Dies reizt den Nerv. Medizinisch wurde hier eine Sonderform des „Snapping Ulnar Nerve Syndrome“ diagnostiziert.

In vielen Situationen hilft die Nervensonographie in der Therapieplanung. Beispiele:

Es muß operiert werden? Dann möglichst rasch.

Wenn etwas auf den Nerv drückt, das „wegoperiert“ werden muss, kann dies mit dem Nervenultraschall sofort entschieden werden. Das früher übliche Abwarten, probatorische Therapien usw. entfallen. Hier gilt: Je früher die Operation, desto besser die Erfolgschancen.

Es gibt nichts zu operieren.

Auch die umgekehrte Situation ist rasch erkennbar: ob eine Ursache vorliegt, die nicht durch eine Operation geheilt werden kann. Dann sind gezielte nicht-operative Therapie gefragt…

Immer wieder Schmerzen, bisher wurde keine Ursache festgestellt.

Im MRT z.B. von Handgelenk, Ellbogen oder Sprunggelenk wurde festgestellt: es ist „nichts zu sehen“. Das Problem ist aber, dass Nerven im Routine-MRT nicht gesehen werden. Der Nervenultraschall hilft, die Ursache von (Nerven-) Schmerzen aufzudecken und eine gezielte Therapie einzuleiten.

Bei Unfällen können auf vielfältige Weise auch Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden, sei es durch Prellung, Überdehnung oder sogar Durchtrennung. Eine sorgfältige NLG- und EMG- Untersuchung und eine genaue Darstellung der durch das „Unfallgebiet“ ziehenden Nerven im Nervenultraschall liefert hier wichtige Informationen und Entscheidungshilfen.

Etwas komplizierter wird die Frage, wenn ein Knochenbruch passierte, daraufhin eine Operation erfolgte und eine Schraube oder Platte eingesetzt wurde. Wenn dann Nervenprobleme zutage treten, stellt sich die Frage, ob dies durch den Unfall passierte, durch die Operation, oder ob nun eine Schraube bzw. Platte auf den Nerv drückt oder eine Kallusummauerung stattfindet. Letztlich spitzen sich die Überlegungen bei der Frage zu, ob eine Re-Operation indiziert ist, um eine suffiziente Nervenregeneration zu ermöglichen. Hier ist der Nervenultraschall in den letzten Jahren eine unschätzbare Entscheidungshilfe geworden: Wenn ein Knochensplitter, eine Schraube o.a. auf den Nerv drücken und eine erneute OP nötig ist um den Nerv zu retten, kann dies mit dem Nervenultraschall meist gut gesehen werden.

  • Bei Unklarheit, inwiefern bei Schmerzen auch eine Nervenreizung dahinter stecken könnte.
  • Bei unklaren Missempfindungen, Taubheit oder Lähmungen
    -frühzeitige Abklärung einer potentiellen Operationsindikation möglich.
  • Bei Verdacht auf Nervenverletzung oder bei Verdacht auf eine Nervenkompression (Nerveneinengung).
    -präoperativ zur Operationsplanung (Ursachenklärung, anatomische Normvarianten u.a.)
    -postoperativ im Falle persistierender oder wiedereinsetzender Beschwerden.
  • Nach Trauma mit Nervenverletzungen
    -Hier oft wichtige Entscheidungshilfe, ob operiert werden sollte (erhaltene Nervenkontinuität? Druck auf Nerv z.B. durch Knochensplitter oder Schrauben o.a.?).
  • Bei generalisierten Polyneuropathien (bei V.a. genetische oder entzündliche Ursache).
  • Dynamische Untersuchung möglich: z.B. Luxation des N. ulnaris bei Ellbogenflexion.

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